„Schreiben heißt, sich selber lesen“

Am Meer werden der Kopf und die Gedanken frei. Eine ideale Umgebung zum Schreiben. (Copyright: Cornelia Saxe)

Rückblick auf den Hiddensee-Schreibkurs 2020

Das Thema Autobiografie stand im Mittelpunkt des zweiten Kreativen Schreibkurses (26.9. – 2.10.20) im Gästehaus der evangelischen Kirche in Kloster auf Hiddensee. Der nächste Kurs zu den Themen Fiktion, wie erzeuge ich Spannung und wie schreibe ich im digitalen Zeitalter findet voraussichtlich 2022 statt.

Gruppenbild mit Kapitänin (Copyright: Cornelia Saxe)

Die Teilnehmerinnen erzählten zum Beispiel anhand einer alten Fotografie eine Geschichte über sich. Da gab es einen Großvater, der gerne mal einen Kopfstand machte, weshalb die Enkelin dachte, dass er deshalb eine Glatze hat. Eine junge Frau in einem bunten Kleid in der Toskana, die in diesem Moment glaubt, dass in ihrem Leben alles möglich ist. Oder eine rothaarige Radfahrerin, die ihre alte Mutter im angehängten Gepäckwagen das letzte Mal über die Insel fährt. Es wurden viele wunderbare Geschichten erzählt, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Fund in der Insel-Buchhandlung „Koralle“: Bleistifte mit Zitaten von Schriftsteller/innen

Mal wieder mit Bleistift schreiben

Das Zitat „Schreiben heißt, sich selber lesen“ stammt von Max Frisch. Es steht auf einem Bleistift-Set, das man in der Insel-Buchhandlung „Koralle“ erwerben kann. Es passte perfekt zum Thema dieses Workshops und auch zu meinem Plädoyer, Texte nicht nur mit PC oder Laptop, sondern auch mal wieder mit der Hand zu schreiben.

Das Hexenhaus in Vitte. (Copyright: Cornelia Saxe)

Beim „Klausner“ und im „Hexenhaus“

Zu den Höhepunkten des Kurses gehörten ein Ausflug zum Leuchtturm und zum „Klausner“, Schauplatz des Hiddensee-Romans „Kruso“ von Lutz Seiler. Sabine Reichwein, Teilnehmerin des Kurses, lud alle in ihr Hexenhaus in Vitte ein, das das zweitälteste Haus auf der Insel ist und organisierte eine Begegnung mit Karl Huck von der Seebühne, der seine Marionetten vorführte.

Ausflug zum Leuchtturm (Copyright: Cornelia Saxe)

Rote-Beete-Salat und „Ton, Steine, Scherben“

Wir feierten Abschied mit einem köstlichen Büffet mit Quiche, Rote-Beete-Salat mit Hering und Obstsalat mit einem Hauch von frischer Pfefferminze aus dem Garten des Hexenhauses. Angestoßen wurde mit einem „Dornfelder“, dem Lieblingsrotwein von Gerhard Hauptmann, und Sanddornlikör.

In der abendlichen Leserunde performte Irene Moessinger, Gründerin des legendären Berliner Veranstaltungsortes Tempodrom, ein Kapitel aus ihrer Autobiografie „Berlin liegt am Meer“, indem sie zum Text auch Liedzeilen der Band „Ton, Steine, Scherben“ rezitierte.

Abschied im Hafen von Kloster (Copyright: Cornelia Saxe)

Am Hafen in Kloster fiel es uns schwer auseinanderzugehen. Es bleibt das Versprechen, unsere sehr persönlichen Geschichten zu Ende zu schreiben.

Das sagen die Teilnehmerinnen nach dem Kurs:

„Es war eine unvergessliche Woche auf Hiddensee. Ich möchte mich für die vielen Anregungen und die differenzierten, feinfühligen Rückmeldungen zu unseren Texten bedanken. Sehr beeindruckt hat mich, wie konzentriert du zuhören kannst und wie genau du auf uns eingegangen bist. Chapeau!“ Germaine S., Zürich / Berlin

„Ich werde versuchen, den Schwung, den mir der Kurs gegeben hat, in meinen Alltag zu retten und weiterzumachen, lieben Dank dafür, ich habe so viel mitgenommen! Die Begegnungen mit den anderen Teilnehmerinnen hat mich im Nachhinein sehr bewegt, gerade in unseren so sozial reduzierten Zeiten.“ Hilke S., Schleswig-Holstein

„Ich habe mir ein neues Ritual zugelegt. Ich habe ein Lexikon der schönen Wörter: Jeden Tag wähle ich per Zufall eins aus und versuche, einen prägnanten oder auch simplen Satz dazu zu finden und schreib ihn mir auf (derzeit auch wieder in meiner Schreibschrift aus Schultagen); sehr entspannend!“ Annika B., Mecklenburg-Vorpommern

„Der Schreib-Workshop wirkt noch intensiv in mir weiter und hat mir – besonders durch die heterogene sehr angenehme Gruppe – wunderbare Anregungen gebracht, wie auch die Betonung auf die 5 Sinne und kurzen spielerischen Textaufgaben.“ Sabine R., Hiddensee / Berlin

„Der empfohlene Autor Hanns Cibulka hat in mir einen neuen Bewunderer. Mal sehen, ob ich die Idee des literarischen Tagebuches umsetzen kann. Mittlerweile habe ich von dem Autor ein handsigniertes Exemplar (Seedorn, 14.09. 1985), und werde es in Ehren halten.“ Sabine B., Niedersachsen

„Ich habe schon einen Verlag für meine Buch-Idee gefunden. So schnell kann es gehen! Herzlichen Dank fürs Mutmachen!“ Heike W., Berlin