Gehen oder bleiben? – Deutsche in Griechenland

Interview mit den Kindern deutscher Auswanderer auf der griechischen Insel Peleponnes, Copyright: Cornelia Saxe

Interview mit den Kindern deutscher Auswanderer auf der griechischen Insel Peleponnes, Copyright: Cornelia Saxe

Deutsche, die einst nach Griechenland auswanderten, haben inzwischen wie ihre griechischen Landsleute mit hohen Lebenshaltungskosten und geringen Einkommen zu kämpfen. Sie sorgen sich um die Perspektiven ihrer Kinder. Ein Stimmungsbild von der Halbinsel Peloponnes, südwestlich von Athen.

Westdeutscher Rundfunk, 14.10.2011, 10:00 min.

AUSZUG

 

Sibylle Käufer: „Also ich bin in Urlaub nach Griechenland gefahren mit dem Fahrrad und meinen Hunden und der Weg war sehr lange und da habe ich einen Freund besucht. Und der hat damals gemeint: Ganz billiges Land und wunderschön! (…) Und ich hab mich sofort in dieses Land verliebt. Das war traumhaft, zwei Quellen auf dem Grundstück. Und da habe ich gesagt, diesen weiten Weg nach Deutschland möchte ich nicht zurück. (0:50)

Sibylle Käufer verliebte sich damals in den deutschen Freund. In ihre Heimatstadt Ulm ist sie nicht zurückgekehrt. Seit 15 Jahren lebt das Paar auf der griechischen Halbinsel Peloponnes. Sie haben inzwischen eine Tochter und zwei Söhne: Myrrthe, Jason und Leonidas.

Die Familie wohnt abgeschieden mitten im Wald. Auf einem Hektar Land haben Sibylle Käufer und ihr Lebenspartner ihre Vision von einem alternativen Leben verwirklicht. Auf dem Hof gibt es einen Gemüse- und einen Kräutergarten, einen Esel- und einen Hühnerstall, Olivenbäume und eine Weinkelterei. Sonnenenergie versorgt das Wohnhaus mit Strom, das Wasser wird aus einem nahe gelegenen Quellteich gepumpt. Auf dem Peloponnes gibt es immer mal wieder Strom- und Wasserausfälle. Davon bleibt die Familie verschont und profitiert von ihrer unabhängigen Lebensweise.

Sibylle Käufer: „Also klar, diese Benzinpreise und diese Preise im Supermarkt – ich merk’s auch! Aber es ist noch nicht so dramatisch, dass ich sage: Ich kann’s mir im Moment nicht mehr leisten! Ich hab allerdings auch einen größeren Garten. Für uns als Familie: Wir können uns noch über Wasser halten!“

Sibylle Käufer ist gelernte Krankenschwester, doch seit sie in Griechenland lebt, ist sie Landwirtin aus Überzeugung. Die Produkte ihres Hofes – Olivenöl, Wein, Seifen, Salben oder geschmiedete Messer – verkauft sie gemeinsam mit ihrem Partner Georg Wrobel zum Beispiel auf den großen Wochenmärkten der Insel. Dort drehen sich die Gespräche immer häufiger um Deutschland und die Bundeskanzlerin:

Georg Wrobel: Worüber geschimpft wird, ist über die gute Frau Merkel.’Merkel ineftej!‘, das heißt so viel wie: ‚Die Merkel ist schuld!‘ Dass die Arbeitsplätze rapide verschwinden, dass die Leute anfangen, sich um das tägliche Wohl zu sorgen. Hunger war nie ein Thema in Griechenland. In den großen Städten beginnt der Hunger. Man bemerkt es auch daran, dass viele, die früher nach Athen gegangen sind, jetzt langsam wieder zurückkommen, speziell die Jugend. Es ist offensichtlich, dass junge Leute, die vor zwei, drei Jahren – das ist der große griechische Wunschtraum bei den jungen Leuten in Athen oder Thessaloniki zu leben -, dass das begraben ist, dass die zurückkommen.“