Die Hüft-Acht – Bauchtanz als Fitness-Sport

Copyright: Flickr / tiegeltuf

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Mit dem aus dem Orient stammenden Bauchtanz haben Tanzstudios eine neue Klientel entdeckt. In warmen Farben gestaltete Tanzsäle, ägyptische Kaffeehausstühle im Umkleideraum und Lehrerinnen mit Künstlernamen wie Djamila (die Schöne) oder Joumana (die Perle) entführen aus dem Alltag in eine andere Welt. Die Reportage stellt verschiedene Studios in Deutschland vor und beweist: Bauchtanz ist nicht nur etwas für Frauen!

Deutschlandradio Kultur, 31.12.2009, 25:00 min. 

AUSZUG

Bauchtanzschülerin 1: Ich bin 36 Jahre, bin Grafik-Designerin und Tier-Homöopathin und meine Motivation war am Anfang Rückenschmerzen und nachher ist es eine Liebe zum Tanz geworden.“

Bauchtanzschülerin 2: „Mein Name ist Alexandra, ich bin 38. Ich mache Bauchtanz seit drei Jahren und habe eigentlich ein bisschen aus der Not angefangen, weil ich sehr gerne tanze und jahrelang Standardtanz gemacht habe, aber da männliche Partner Mangelware sind, habe ich mir irgendwann gedacht, ich tanze was, wo ich alleine sein kann und außerdem bin ich gerne Frau und finde, dass Bauchtanz Frausein sehr unterstützt.“

Der Bauchtanz ist so alt wie die Menschheit. Er geht auf Fruchtbarkeits- und Geburtsriten zurück, die die Götter gütig stimmen sollten. Viele sprechen heute lieber vom Orientalischen Tanz, der auf Arabisch Raqs sharki, Tanz des Ostens, und auf Amerikanisch Belly Dance, also wiederum Bauchtanz heißt. Im 19. Jahrhundert erreichte er Europa und die Neue Welt. (0:20)

Bauchtanzschülerin 3: „Für mich besonders ist es gut, wenn man viel sitzt, wenig Bewegung hat, ist gut für die Wirbelsäule und man fühlt sich hinterher besser, besser als wenn man zur Rückenschule geht und der Spaßfaktor ist auch noch dabei!“

Bauchtanzschüler:Ich find’s sehr angenehm. Es ist nicht dieses Klima, diese Atmosphäre wie in einem Fitness-Studio, wo die Männer sich in Maschinen einspannen, wo Hanteln gestemmt werden, mir sagt diese feine Atmosphäre, dieses Sanfte irgendwie mehr zu.“

Bauchtanzschülerin 4: „Ich bin 34 Jahre alt, bin Erzieherin und habe in der Schwangerschaft begonnen, Bauchtanz zu machen. Und wenn die Kinder danach die Musik hören, schlafen sie sofort ein, das ist ganz Klasse.“ (lacht)

Nach Deutschland kam der Bauchtanz nicht etwa durch türkische oder arabische Einwanderer. Er war ein Export aus Amerika, wo ihn die Hippie-Bewegung in den 60er Jahren für sich entdeckte. Hierzulande sollen es gestrandete amerikanische Künstlerinnen und später auch Ehefrauen von Alliierten gewesen sein, die in den 80er Jahren die ersten Workshops gaben. Von professionellen Tanzschulen bis hin zu Volkshochschulkursen lässt sich inzwischen in jeder deutschen Großstadt Bauchtanz lernen. Die meisten Studios finden sich in Berlin, im Frankfurter Raum und im Ruhrgebiet. In Städten wie Leipzig und Dresden wächst eine junge, engagierte Tanzszene heran.

Die Tänzerin Katharina Joumana, Copyright Uwe Arens

Die Tänzerin Katharina Joumana, Copyright Uwe Arens

Das Studio Azadeh liegt in einem Hinterhof in Berlin-Charlottenburg. Freundlich-orange leuchten die Fenstervorhänge im ersten Stock. Die Musik schallt bis auf den Hof hinunter. Vor der Spiegelwand, vor der eine Gruppe von Frauen mit klirrenden Tüchern um die Hüften probt, steht ein roter Gladiolen-Strauß. In einer Sitzecke mit Diwan dampft ein Samowar. Vor zehn Jahren wurde das Azadeh von der Deutschen Katharina Joumana gegründet:

Das Studio ist orientalisch angehaucht. Wir haben hier einen kompletten Holzfußboden und dann eine acht Meter lange Spiegelwand. Wir haben viele orientalische Lampen, also dass man sich auch wirklich in den Orient hineinversetzt fühlt. Man kommt durch orientalische Torbögen herein. Und unsere Stühle in der Garderobe sind echte Kairoer Kaffeehausstühle.“

In den Kursen, die man in den Stufen Anfängerinnen, Mittelstufe, Fortgeschrittene und Masterclass besuchen kann, tanzen hier durchschnittlich 130 Frauen pro Woche. Sie sind zwischen 12 und 70 Jahren alt. Die Gründe, warum sie Bauchtanz lernen, haben sich nach Ansicht von Joumana geändert:

Katharina Joumana: Aus der Zeit, wo ich angefangen habe, also vor 23 Jahren, hat man orientalischen Tanz gelernt, weil das einfach was Exotisches war. Man konnte damit angeben. Man hat eine Sportart, Tanzart gemacht, die war für die meisten Menschen unbekannt, die konnten sich gar nichts darunter vorstellen und man war irgendwie toll, wenn man das gemacht hat. Jetzt kann man sagen, dass Frauen, die machen das auch wirklich aus gesundheitlichen Aspekten, dass Ärzte zum Beispiel zu ihnen sagen: Sie haben Rückenprobleme, machen Sie doch mal einen orientalischen Tanzkurs!“