Endlich einmal Zeit für mich – Einkehrtage für Frauen

Frauengruppe vor dem Brandenburger Dom, Copyright: Heike Schulze

Frauengruppe vor dem Brandenburger Dom, Copyright: Heike Schulze

Auf der Dominsel in der Stadt Brandenburg trifft sich eine Gruppe von Berliner und Brandenburger Frauen, um sich eine Auszeit zu gönnen. Sie brauchen eine Verschnaufpause, weil sie ihre kranken Eltern pflegen, allein vier Kinder großziehen oder sich einen Neuanfang im Leben wünschen.

Rundfunk Berlin Brandenburg, 30.9.2012, 10:00 min.

AUSZUG

Die Hamburger Theologin Heidemarie Langer leitet das dreitägige Seminar, das restlos ausgebucht ist. Es wird auch von Frauen besucht, die nicht der Kirche angehören:

Es sind Frauen, die einfach eine Zeit miteinander so für sich sein wollen – wie man so schön sagt – zu sich selbst kommen. Die wollen Ruhe haben, die wollen Gespräche haben miteinander, die wollen entdecken, wie sie bei Kräften bleiben. Sie wollen entdecken, was ihre Stärken sind, ihre Talente, ihre Begabungen sind. Sie wollen eine Spur wieder entdecken, was sie in diesem Leben möchten – neben Familie und Beruf und Haushalten, und dafür braucht’s einfach mal ein paar Tage, wo sie sich diesem Thema ihres Lebens hinwenden. Der Titel heißt: Sinnvoll leben – Kraftquellen entdecken und Träume wagen.“

Neben Heidemarie Langer begrüßt Cornelia Radeke-Engst die Angekommenen. Sie ist als Landespfarrerin für Frauen- und Familienarbeit die Gastgeberin dieses Kurses und bezeichnet die Stadt Brandenburg und seinen Dom als eine eigene Kraftquelle:

„Brandenburg ist ein besonderer Kraftort für mich, weil ich hier 20 Jahre Dompfarrerin war und diese Insel, diesen Dom und diese Menschen hier liebe, und das bleibt in meinem Leben diese Verbindung. Zu uns kommen Frauen von 40 bis 80 und die jüngeren Frauen in der so genannten Rush Hour des Lebens mit Kindererziehung, Beruf und persönlichem Leben, denen gelingt es, solange die Kinder klein sind, eigentlich kaum, sich so eine Zeit zu gönnen. Und dass die Älteren dazukommen, das finde ich auch ganz spannend. Denn viele Ältere machen sich nicht mit sich selber noch mal auf so einen Weg.“

Um miteinander warm zu werden, wird zunächst einmal die Kraftquelle des gemeinsamen Singens angezapft. Eine Teilnehmerin wünscht sich das Lied „Der Himmel geht über allen auf“:

Langer: Einen Moment mal! Wer kennt es nicht oder nicht sehr gut … Plätze tauschen … Gekicher … Gesang … 

Danach setzen sich die Frauen in einen großen Kreis. In der Mitte leuchtet eine Sonnenblume in einer Bodenvase. Darum herum liegen auf einem Seidentuch 16 verschiedenfarbige Notizbücher aufgefächert. Jede Teilnehmerin kann sich eins in ihrer Lieblingsfarbe aussuchen. Es soll sie durch die kommenden Tage begleiten.

Heidemarie Langer: Es gibt in jeder Gruppe Überraschungen und darauf ist es ja auch angelegt, dass etwas geschieht, dass die Menschen wieder ins Staunen kommen, was in ihnen ist und was zwischen ihnen geschieht. Kraftquellen, das klingt auch so groß. Es sind aber kleine Spuren und zarte oder zärtliche Spuren, die sich da öffnen.“