„Es braucht Mut, um sich uns anzuschließen“

Die liberale Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit feiert ihren dritten Geburtstag. Die Begegnung mit Gründerin Seyran Ates findet unter Personenschutz statt. Sie hat einen Ort geschaffen, an dem Frauen und Männer, Muslime und Andersgläubige nebeneinander beten können.

Die Kirche, Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg, 14.6.2020

AUSZUG

Die Ibn Rushd-Goethe Moschee vereint die Namen von zwei Universalgelehrten aus der christlichen und der islamischen Welt. Man kann den Weg über das „Vaterunser“ nehmen oder über den Segen zum Ramadan, um zu ihr zu gelangen. In bunten Farben sind die Gebete auf das Pflaster rings um die St. Johanniskirche in Moabit gesprüht.

In einem Hintergebäude der evangelischen Gemeinde befinden sich die Räumlichkeiten der Moschee, die hier Untermieterin ist. Im Büro werde ich von der Gründerin Seyran Ateș und dem Imam Mohamed El-Kateb empfangen, während im Hintergrund diskret Personenschützer wachen.

Sie machen schlagartig die Brisanz des Unterfangens deutlich, das die Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin und Muslimin Seyran Ateș mit der Eröffnung der Moschee am 16. Juni 2017 ins Leben gerufen hat. Es ist das Projekt einer Freigeistin, der es um nichts Geringeres als einen fortschrittlichen Islam geht. Sie hat einen Ort geschaffen, an dem nicht nur Frauen und Männer, sondern auch Muslime und Andersgläubige nebeneinander beten und Frauen wie Männer die Rolle der Imamin oder des Imams ausfüllen. „Weil es immer mehr mutige Menschen gibt, existieren und wachsen wir weiter“, betont die 57-Jährige stolz.

Mit der Gründung der Moschee in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH ging für die Berlinerin mit türkischen Wurzeln ein Traum in Erfüllung. Seit der Eröffnung begleiten sie aber auch Beleidigungen, Hassbotschaften und Morddrohungen. „Dass Frauen und Männer hier zusammen beten, dass wir uns in einer Kirche befinden und deshalb auch angefeindet werden, dass wir keine Muslime sind. Wir sind offen für Menschen, die an einen anderen Gott glauben, die an viele Götter glauben und die gar nicht an Gott glauben“, zählt sie die Gründe für die Anfeindungen gegen ihre Gemeinde auf, die sich außerdem für Musliminnen und Muslime aus der LGBT-Community einsetzt.

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